„Euer Herz lasse sich nicht verwirren“ Joh 14,1

11. Mai 2022
Menden
Das geistliche Wort von Anne Berens, Gemeindereferentin und Krankenhausseelsorgerin

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Eine meiner Lieblingsaussagen der Bibel, finde ich im Johannesevangelium, Kapitel 14.

Jesus fordert seine Jünger auf: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott, und glaubt an mich“.

Gerade in heutiger Zeit scheint Jesu Forderung schwer umzusetzen zu sein. Denn: unser Herz ist voller Angst. Angst vor Krieg, Angst vor der Zukunft, Angst vor Corona, Angst vor Arbeitslosigkeit, Angst vor Einsamkeit und Alter, Angst vor dem Sterben.

Ängste belasten uns schwer, liegen wie ein dunkler Schatten auf unserem Erleben.

 

Wie können wir mit Ängsten leben? Wie können wir lernen mit ihnen umzugehen?

Jesus selbst war die Angst nicht fremd. Da war er ganz Mensch. Er hatte Angst am Ölberg, Angst am Kreuz, und er schrie seine ganze Verzweiflung heraus: mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Wie oft fühlen wir uns von Gott verlassen?

Die Angst hat Jesus nicht völlig zu Boden geworfen, er konnte in ihr bestehen und menschlich bleiben. Selbst in Todesangst hatte er ein Herz für andere. Zu dem Verbrecher, der neben ihm am Kreuz hing sagte er: „ heute noch wirst du mit mir im Paradies sein“.

Was gab ihm die Kraft, in dieser Gottverlassenheit noch an andere zu denken und sich nicht von seinen Ängsten besiegen zu lassen? Was gab ihm Halt mitten in der Todesangst?

Ich denke, Halt gab ihm das feste, tiefe Vertrauen zum Vater. Nie kann man tiefer fallen, als in die Hände Gottes. Eines der letzten Worte Jesu lauten: „ Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist.“

Vertrauen auf Gott, Vertrauen auf Jesus, scheint ein Schlüssel zu sein, mit meinen Ängsten umzugehen. Ein Schlüssel, kein Patentrezept. Glaube einfach, und du bist angstfrei, das funktioniert nicht. Es geht um eine Grundhaltung: wenn ich fest darauf vertraue, dass Jesus für mich den Weg zum Leben offenhält und dass er auch mir die Kraft gibt, diesen Weg zu gehen, dann muss ich mich von meinen Ängsten nicht beherrschen lassen, muss ich mich von meinen Ängsten nicht quälen lassen. Denn wie stark die Ängste auch sind, die mich quälen, der Weg zu mehr Vertrauen und Leben bleibt offen. Dafür steht einer, der stärker ist als alles, was mir Angst bereitet und der mir rät: dein Herz lasse sich nicht verwirren. Glaub an mich.

 

Ihnen und Ihren Lieben einen gesegneten Sonntag. Ihre Anne Berens Gem.Ref und Krankenhausseelsorgerin