Bistumsspitze sucht in Menden Antworten auf kirchliche Zukunftsfragen

19. Dezember 2022
Dekanat Märkisches Sauerland
72.000 Christen im Märkischen Sauerland sollen Weggemeinschaft der Mutigen mit Herz, Seele und Verstand werden

„Advent, Advent, die Hütte brennt“ mit diesem provokanten Bild eröffnete Dechant Pfarrer Andreas Schulte im Pfarrheim St. Josef Lendringsen in Menden die Pastoralwerkstatt des Dekanats Märkisches Sauerland. Kein Thema ließ Schulte aus und forderte:Corona, Krieg, Klima-Katastrophe, kirchliche Missbrauchsskandale. Wir müssen den Teufelskreis aus Angst und Mutlosigkeit durchbrechen.“ Dagegen stellte Pfarrer Schulte: „Erlösung, Hilfe, Hoffnung kommt vom Herrn…“ und typisch sauerländisch: „Nur durch Zupacken, Handeln und konkrete Ergebnisse mit allen Katholikinnen und Katholiken kommen wir weiter.“

Und von denen gibt es noch viele in den fünf Pastoralverbünden des Dekanats Märkisches Sauerland. In Menden, St. Vitus Hemer, Balve-Hönnetal, Letmathe und Iserlohn leben über 72.000 katholische Christinnen und Christen in dreißig Gemeinden.

Über eine Gruppe davon, die zahlenmäßig Größte bei den achtzig Teilnehmenden der Pastoralwerkstatt, freute sich Veranstaltungsorganisator und Dekanatsreferent Rainer Beckmann ganz besonders: „Die größte Anzahl Gäste sind heute bei uns die ehrenamtlich-aktiven Gemeindemitglieder“.

Freiwillige Unterstützung war auch Thema von Thomas Kuhr aus der Kommunikationsabteilung des Bistums bei der Vorstellung der Initiative „1000 gute Gründe“, die Menschen anspricht, von ihrem Engagement und Glauben, aber auch von Zweifeln und Mutlosigkeit zu erzählen:70.000 Menschen engagieren sich allein ehrenamtlich in unserem Erzbistum Paderborn.Vom Engagement sprach auch Pastor Stefan Tausch, Leiter des Katholischen Forums und Urgestein kirchlicher Basisarbeit am Beispiel des Dortmunder Rückzugs- und Zufluchtsorts Refugium: „Kirche muss zu den Menschen auf die Straße und dem Volk aufs Maul schauen, wo der Schuh drückt“.

Neben Referenten wie Tausch und Mitarbeitenden des Erzbistums waren mit dem Diözesanadministrator Michael Bredeck und seinem Vertreter Prälat Thomas Dornseifer auch die höchsten Repräsentanten nach dem Rücktritt von Bischof Hans-Josef Becker nach Menden gekommen. Schon das allein zeigt die große Bedeutung der Pastoralwerkstatt für die Bistumsleitung. Die beiden Bistumsvertreter waren beeindruckt von der Pastoralwerkstatt. „Wir haben hier heute ein sehr ehrliches und realistisches Bild über die Herausforderungen der Zukunft erhalten. Für uns heißt die Fragestellung: Wo kann Bistum Probleme mit lösen, wo geht das nur vor Ort?“ bilanziert Prälat Dornseifer, während der Diözesanadministrator Bredeck motiviert: „So unterschiedlich die Situation in den einzelnen Gemeinden auch ist: Bistumsebene und Pfarrgemeinden vor Ort sind eine Weggemeinschaft.“

Mit der Pastoralwerkstatt in Menden ist ein weiterer Schritt auf dem Diözesanen Weg 2030+ zur Bistumsentwicklung getan. Dr. Annegret Meyer, Markus Freckmann und Stephan Lange vom Leitungsteam Diözesaner Weg aus Paderborn nutzten ihre Redezeit, die Kernaussagen des Zielbildes zu erläutern, damit Möglichkeiten für Veränderung entdeckt und Gestaltungsräume zukünftig genutzt werden können.

In den folgenden Themengruppen im Pfarrheim ging es um Leitung und Mitverantwortung. Professor Dr. Oliver Reis, von der Universität Paderborn erläutert: „Der in der Fläche organisierte Katholizismus lebt. In der Zukunft sind Strukturfragen zu klären z.B. wie können Ehrenamtliche die Leitung übernehmen, wenn Hauptamtliche nicht mehr zur Verfügung stehen?  In den anderen Workshops ging es um „Kirche geht nach draußen“, um Menschen wieder für den Glauben zu motivieren oder über Weiterbildung wieder Brücken zur Religion zu schlagen. Viele konstruktive und kreative Ideen kamen dabei zusammen: Von Sommerkirchen-Aktionen am Fahrradwege längs der Lenne bis zum Aufbau einer Sozialberatung vor Ort. Das war das Ziel, denn Pastoralwerkstätten sollen vor allem konkrete Ergebnisse liefern: „In einem Jahr treffen wir uns zu einer neuen Dekanatsveranstaltung wieder, dann wollen wir sehen, welche Projekte, Erkenntnisse und Erfahrungen zukunftsfähig waren und umgesetzt sind“, erläutert Dekanatsreferent Rainer Beckmann.