„Bist Du ein König?“

22. November 2021
Geistliches Wort von Schwester M. Berngit, Letmathe

Welche Bilder kommen Ihnen in den Sinn, wenn Sie an einen König oder eine Königin denken? Schöne prunkvolle Kleider – ein Schloss – ein großes Reich – Reichtum – Krieg – Versklavung – Macht? All das haben Menschen, haben Generationen vor uns erlebt, eben unter der Führung von Königen und auch Königinnen. Einige von ihnen waren finster und tyrannisch, andere milde und wohltätig. Es gibt sogar Könige und Königinnen, die wir als Heilige verehren, die uns also die Liebe und Güte Gottes widerspiegeln. Da gibt es einen heiligen König Ludwig von Frankreich, einen heiligen König Olav von Norwegen und einen heiligen König Knut von Dänemark. Ebenso einen heiligen König Stephan von Ungarn, eine heilige Königin Hedwig von Polen, eine heilige Königin Mathilde von Sachsen, das heilige Königspaar Heinrich und Kunigunde aus Bayern und viele mehr. Es ist interessant, einen Blick in die Geschichte zu werfen, um zu sehen: Was machte einen König oder eine Königin aus, was waren ihre Stärken und ihre Schwächen? Mal zu lesen, was sie über Gott dachten und wie sie ihren Glauben lebten.

Heute erfüllen Könige und Königinnen eher eine andere Rolle. „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt“, haben wir Jesus im Evangelium sagen hören. Er sagt es vor dem Vertreter des damaligen Gesetzes: Pontius Pilatus. Der hat ihn zu beurteilen, soll über ihn ein Urteil sprechen und ihn verurteilen, ohne recht zu wissen, wen er vor sich hat. Und so fragt er Jesus nach seinem Titel und nach seinem Ansehen: „Bist du ein König?“ Denn Jesus sieht alles andere aus als ein König: Geschlagen, bespuckt und getreten, in Ketten mit zerrissenen Kleidern, ohne Glanz und ohne Krone. Keiner tritt für ihn ein, keiner bekennt sich zu ihm, alle wollen ihn verurteilt sehen. Doch was hat er getan, um verurteilt zu werden? Er hat von sich gesagt, dass er der Sohn Gottes ist. Vielleicht verstehen wir besser, wenn Jesus sagt: „Wenn mein Reich von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich nicht aus-geliefert würde. “In einigen Wochen werden wir die Menschwerdung dieses Königs feiern, mit viel Licht und schönen Gesängen, mit Freude und Festlichkeit. Schon jetzt ist die Konsumwelt für Weihnachten angekurbelt, also die geweihte Nacht des Jahres aufzurüsten und sich ins Zeug zu legen. Und wenn wir dann fragen: „Für wen tun wir das alles – vor – an – und nach Weihnachten?“ Würden wir dann nicht vielerorts die gleiche Antwort hören? „Für mich, meine Familie, meine Freunde, für eine schöne Stimmung, wegen der Gefühle, der tristen Jahreszeit…“ Und würden wir dann weiter fragen: „Tun wir das auch für Christus, unseren König? Und wo sind die Zeugen für ihn und sein Königreich, die von ihm erzählen? “

Liebe Mitchristen, wir werden wohl den Säkularisierungsprozess in den nächsten Jahren nicht aufhalten können, denn er ist eine logische Folgerung der begonnenen Entwicklung, einer Suche nach Ersatz für einen Glauben an Gott, der vielen fremd geworden ist, aber wir können Zeugen sein für diesen König, von ihm reden und allen, die uns danach fragen, den Sinn neu erschließen.
Hier brauchen wir nicht zurück zu schauen und frühere Nostalgie zu betrauern, sondern wir müssen und können nach vorne blicken, wo Gott auch heute und gerade bei mir wieder dabei ist, sein Reich aufzubauen. Wir haben uns in den vergangenen Wochen in unserem Pastoralverbund neu inspirieren lassen durch das Erleben der Laternenkirche. Lassen Sie uns erneut für Christus, den König, neu entscheiden, dann wird es uns leichtfallen, von ihm zu sprechen und an ihn zu glauben. Und in aller Schwachheit, die wir ja als Christen an anderen und auch an uns selber erleben, dann zu Gott rufen und zu ihm beten: „Komm, Heiliger Geist, wirke du durch uns und erfülle uns mit deiner Freude und Stärke, die Sicherheit in unser Leben und in unseren Alltag schenkt.“ Ohne das Wirken des Heiligen Geistes bleibt die Frage offen: „Bist du ein König?“ Auch vor 2000 Jahren war die Sendung des Heiligen Geistes entscheidend, dass aus den Aposteln begeisterte Zeugen des Gott-Königs wurden. Ohne diesen Heiligen Geist hätten wir heute keinen Glauben mehr an Jesus Christus.
„Komm Heiliger Geist, entzünde neu unsere Herzen, damit wir Christus als unseren König erkennen und an ihn glauben können. Belebe deine Kirche neu und fang bei mir an!“ (vgl. pm/am 23.11.2012) In diesem Sinne wünsche ich Ihnen im Namen unseres Pastoralteams ein gesegnetes Christkönigsfest. Ihre Schwester M. Berngit