Aktuelles im Dekanat

Ehrenamtliche gestalten Gemeinde aktiv mit

Modellprojekt im Erzbistum Paderborn fördert erfolgreich ehrenamtliche Verantwortung

PRESSEMELDUNG des Erzbistums Paderborn vom 23. November 2020

Paderborn (pdp) Wie können Ehrenamtliche mehr Verantwortung in der Kirche übernehmen? Diese Frage, die Mitte November auch Thema beim digitalen Diözesantag im Erzbistum Paderborn war, wird die weitere Bistumsentwicklung intensiv beschäftigen. Erste Antworten liefert das Modellprojekt „Entwicklung der ehrenamtlichen Mitverantwortung“, das 2017 im Anschluss an das Zukunftsbild gestartet wurde: An einzelnen Orten im Erzbistum gestalten seit drei Jahren so genannte Gemeindeteams aktiv das Gemeindeleben mit. In den Teams arbeiten ausschließlich Ehrenamtliche auf Ebene der einzelnen Kirchengemeinden – im Gegensatz zu den gewählten Gremien des Kirchenvorstandes oder Pfarrgemeinderates sind in diesen Teams keine Pfarrer oder Hauptamtlichen Mitglied.

Das Engagement, das modellhaft für die kirchliche Entwicklung im Erzbistum Paderborn werden könnte, kann sich allein schon zahlenmäßig sehen lassen: Im Pastoralen Raum Arnsberg und im Pastoralverbund Balve-Hönnetal engagieren sich derzeit insgesamt 85 Ehrenamtliche in 16 Gemeindeteams. Davon sind 60 Ehrenamtliche in zehn Gemeindeteams in Arnsberg aktiv, in Balve arbeiten sechs Teams mit 25 Mitgliedern. Im Pastoralverbund Schmallenberg-Eslohe wird ein vergleichbarer Weg gegangen: Hier wurden 25 Pfarrgemeinderäte mit rund 160 Mitgliedern in den einzelnen Dörfern gebildet – wie bei den Gemeindeteams aber ohne hauptamtliches Mitglied.

Matthias Kolk ist Referent für Rätearbeit im Erzbischöflichen Generalvikariat. Er begleitet die Gemeindeteams und Projekte – außerdem ist er einer der Teamleader für das Schlüsselthema „Leitung und Verantwortung wahrnehmen“ auf dem Weg zum Diözesanen Forum 2021. „Bei einem Hearing im September in Soest haben die Engagierten vor Ort ihre Erfahrungen in den Teams vorgestellt“, berichtet Kolk. Auch andere Initiativen – zum Beispiel im Pastoralen Raum Iserlohn und den Pfarreien Heiligste Dreifaltigkeit Beverungen und St. Andreas Velmede – wurden dabei präsentiert.

Charismenorientierung verwirklichen

Die Teams in den Kirchengemeinden vor Ort würden in ihrer Arbeit ganz unterschiedliche inhaltliche Schwerpunkte setzen, beschreibt Matthias Kolk: „Darüber entscheiden sie selbst aufgrund der Gegebenheiten der jeweiligen Gemeinde, aber auch vor dem Hintergrund, was ihnen wichtig ist und was ihren Charismen entspricht.“ Wo in der einen Gemeinde etwa  ein Schwerpunkt auf caritativer Arbeit nötig sei, erfordere eine andere Gemeindesituation vielleicht ein Händchen für Jugendarbeit. Die Menschen in den Gemeindeteams würden das entsprechend ihrer eigenen Fähigkeiten umsetzen, so Kolk. Das Zukunftsbild für das Erzbistum stellt die Orientierung an den individuellen Talenten der Menschen in den Vordergrund. „Die Gemeindeteams sind ein gutes Modell, um diese Charismenorientierung zu verwirklichen“, ist der Referent für Rätearbeit überzeugt.

Handlungssicherheit geben

Talente sind das eine, Entscheidungskompetenzen das andere: Derzeit wird eine Vereinbarung zwischen den Gemeindeteams, Pastoralteams und Kirchenvorständen erarbeitet, um Rahmenbedingungen und damit Handlungssicherheit für die Arbeit der Gemeindeteams festzulegen. „Unser Ziel ist es, dass die Gemeindeteams Entscheidungen fällen können und Gestaltungsspielräume haben. Dazu braucht es Vertrauen zwischen den ehrenamtlichen Gemeindeteams und den hauptamtlichen Pastoralteams und verlässliche Absprachen zwischen beiden Partnern.“ Für alle Teams sind Gruppen im internen Kommunikationstool eingerichtet worden, das im Erzbistum genutzt wird. Eine zusätzliche Gruppe für alle Gemeindeteams und das Pastoralteam ermöglicht darüber hinaus übergreifende Absprachen, die das Leben im gesamten Pastoralen Raum oder Pastoralverbund betreffen.

Die Erfahrungen aus den Modellprojekten haben gezeigt, dass eine Win-Win-Situation möglich ist: „In unserem Team und bestimmt in vielen anderen auch gibt es ein starkes Gefühl von Aufbruch. Wir haben den Wunsch, Dinge zu gestalten und zu verändern und so neue Möglichkeiten zum Wohl der Gemeinde zu nutzen“, so eine Stimme aus den Gemeindeteams. Das Feedback aus einem Pastoralteam war ähnlich positiv: „Insbesondere in der Anfangszeit der Corona-Pandemie waren wir froh, dass es die Gemeindeteams gibt. Wir wussten, dass wir verlässliche Ansprechpartner vor Ort hatten, die dort gut vernetzt sind und auf die wir uns stützen konnten. So waren wir sehr viel handlungsfähiger.“

Perspektiven entwickeln

Rückenwind gab es für das Modell der Gemeindeteams beim Diözesantag: Erzbischof Hans-Josef Becker äußerte sich zu der im Sommer veröffentlichten Vatikan-Instruktion „Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche“: Bislang angedachte Formate im Erzbistum Paderborn würden der Instruktion nicht widersprechen, versicherte Erzbischof Hans-Josef Becker: „Rom gibt einen Rahmen vor, in dem wir verantwortungsbewusst unsere Perspektiven für eine künftige Organisationsstruktur entwickeln können.“

Das Modellprojekt „Entwicklung der ehrenamtlichen Mitverantwortung“ endet im Dezember 2021. „Wir prüfen derzeit, wie wir die positiven Erfahrungen möglichst breit zur Verfügung stellen können“, blickt Matthias Kolk nach vorne.

 

Bild 1: Austausch über die Erfahrungen des Modellprojekts im September beim Hearing in Soest (v.l.): Dr. Michael Bredeck, Leiter des Bereiches Entwicklung und Kommunikation (Erzbischöfliches Generalvikariat Paderborn),  Pater Werner Vullhorst OSB (Pastoraler Raum St. Laurentius Arnsberg), Gemeindereferentin Manuela Cyganek (Pastoralverbund Balve-Hönnetal), Verwaltungsleiterin Anna Werner (Pastoraler Raum Dortmund-Ost). Archivfoto: Tobias Schulte/Erzbistum Paderborn

 

 

Bild 2: Matthias Kolk und Theresa Reinke sind die Teamleader des Schlüsselthemas „Leitung und Verantwortung wahrnehmen“ auf dem Weg zum Diözesanen Forum 2021. Archivfoto: Tobias Schulte/Erzbistum Paderborn.

 

 

 

 

 

Bild 3: Auch im Pastoralen Raum Arnsberg wurden im Rahmen des Modellprojekts Gemeindeteams eingeführt. Pater Werner Vullhorst OSB berichtete beim Hearing im September in Soest über die Erfahrungen. Archivfoto: Tobias Schulte/Erzbistum Paderborn