Aktuelles im Dekanat

„Erlöst, vergnügt, befreit“ und des Singens niemals müde

 

 

 

 

 




 

 

Fotos: H. Rauer

 

„Ich bin erlöst, vergnügt, befreit. Gott nahm in seine Hände meine Zeit.“ In Texten wie diesen singen knapp zwei Dutzend Frauen und Männer von der Freude ihres christlichen Glaubens – und von den Fragen, die dieser Glaube für das Leben in dieser Welt aufwirft.  Sie haben ein Heft mit rund 40 neuen geistlichen Liedern in den Händen. Sie singen und singen – Stunde um Stunde – fröhlich und begeistert - und sie werden des Singens nicht müde.
 

Die Rede ist vom Kennenlernen und Singen neuer geistlicher Lieder, zu der das katholische Dekanat Märkisches Sauerland zum Abschluss seiner „Week of Praise 2019“ nach Menden eingeladen hatte. Prominenter Gast an diesem Samstag, 22. September, im Pfarrheim St. Marien war der Komponist, Dirigent und Musikdozent Christoph Spengler. Er erläuterte die ausgewählten Lieder verschiedener Autoren und spielte sie zum Mitsingen auf dem E-Piano. 
 

Getragene Melodien wechselten mit flotten Rhythmen. Es zeigte sich sehr schnell: Auch Swing- und Rockmusik strebt einen festen Platz in der Kirche an. Die meisten Lieder, die Christoph Spengler den Teilnehmern – unter ihnen auch Dekanatskirchenmusiker Tobias Leschke – vorstellte und mit ihnen einübte, sind in den letzten 30 bis 40 Jahren entstanden. Viele von ihnen hat Spengler nach Texten anderer Autoren selbst komponiert oder bearbeitet, so etwa ein Gedicht des verstorbenen Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch. Deutsche Texte dominieren. 

Inhaltlich ging es nicht nur um die befreiende, froh und dankbar machende Botschaft Jesu Christi. In vielen Texten wurden auch die Herausforderungen deutlich, die sich den Gläubigen heute stellen: vom persönlichen Dasein für Menschen, die Hilfe, Trost und Zuwendung brauchen bis zum sozialen Eintreten für Frieden und Gerechtigkeit.

 

Angesichts des erschreckenden Klimawandels beeindruckte ein Lied von Wolfgang Deiß die Teilnehmer besonders. „Wir sehen nicht vorbei an dem Tod dieser Welt“ heißt es darin. Dieser Song wurde neben einigen anderen für die Mitgestaltung des abendlichen Gottesdienstes in der St.-Marien-Kirche ausgewählt. „Es gibt noch Hoffnung“, schallte es Mut machend durch das Gotteshaus. Die swingende und teilweise rockige Musik, rhythmisch begleitet von den Teilnehmern eines Cajon-Workshops,  schien den Kirchenbesuchern zu gefallen. „Das war sehr schön“, sagte eine Frau im mittleren Alter. 

Einige Workshop-Teilnehmer – unter ihnen sehr viele Chorsänger, aber auch Musiklehrer und Chorleiter - zeigten sich zuversichtlich, teilweise aber auch skeptisch, ob die neuen geistlichen Lieder  in den Kirchen ein breites Echo finden werden. „Bei uns in der Gemeinde singen die Leute am liebsten nur solche Lieder wie Großer Gott wir loben Dich“, sagte ein Mann aus Iserlohn, der von der Presse nach seinen Eindrücken befragt wurde. Eine Frau aus Hemer gab sich optimistischer:  „Ich trage mich schon lange mit dem Gedanken, meine Gemeinde für die neue Musik zu erwärmen. Ich suche nur noch den richtigen Weg.“   

Christoph Spengler hatte im Workshop schon mal ein paar Tipps für die Praxis parat: „Man kann in den Gottesdiensten Lieder schrittweise einüben, indem beispielsweise die Gemeinde erst nur den Refrain singt und ein Vorsänger die Strophen.“ Gegenüber der Presse betonte er, Pop- und Rockmusik spreche keineswegs nur junge Leute an. „Auch viele Ältere sind doch schon mit den Rolling Stones groß geworden.“ Außerdem machte sich der  Musikdozent dafür stark, „dass jeder Kirchenmusiker in Popularmusik ausgebildet wird.“

Text: Helmut Rauer