Aktuelles im Dekanat

Pastoralverbund verordnet sich einen eigenen Schutzmechanismus

 

 

  Der Arbeitskreis des PV Letmathe hat das Schutzkonzept erarbeitet. Eine besondere Aufgabe nimmt Gabriele Staufenbiel-Zervoulakos (links neben Pastor Niemeier) als Präventionsfachkraft wahr. Foto: IKZ M. MayLetmathe. Der Pastoralverbund Letmathe reagiert auf den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche: „Augen auf! Hinsehen und Schützen“ lautet der Titel eines Schutzkonzeptes, das der Pastoralverbundsleiter, Pastor Frank D. Niemeier, und Dr. Gabriele Staufenbiel-Zervoulakos am Montag vorgestellt haben. Die Medizinerin im Ruhestand steht als Präventionsfachkraft mit an der Spitze des Konzeptes. Dazu absolvierte sie bei der katholischen Akademie Schwerte eine entsprechende Ausbildung, die sie im Sommer 2016 abschloss. Mehr noch: Sie bekleidet keine andere Funktion innerhalb des Pastoralverbundes und nimmt eine neutrale Position ein. 

Im Anschluss formierte sich der Arbeitskreis „Prävention gegen ­sexualisierte Gewalt innerhalb kirchlicher Einrichtungen und Gruppen“, dem sechs Personen angehören: Die Lehrerinnen Mareike ­Frania und Angela Zmija, die Erzieherin Ursula Sichelschmidt, die Gemeindereferentin des Pastoralverbundes Iserlohn, Marion Vogt und neben dem Sozialarbeiter und Krankenpfleger am Marienhospital Andreas Scholz natürlich auch Pastor Niemeier und Dr. Gabriele Staufenbiel-Zervoulakos selbst. Der Arbeitskreis, der alle sechs bis acht Wochen zusammenkam, entwickelte ein eigenes Schutzkonzept mit Verhaltenskodex, in dem Regeln zu Wortwahl, Fotografien und zum Schutz der Intimsphäre festgeschrieben sind. 

Alle 120 Mitarbeiter des Verbundes werden geschult 

Das ist inzwischen den Mitarbeitern des Pastoralverbundes vorgestellt worden. Deren Zahl beläuft sich immerhin auf rund 120, bis auf wenige Ausnahmen sind sie bereits alle geschult worden. Dazu gehören auch die Beschäftigten des Marienhospitals und des Altenzentrums St. Kilian genauso wie die Erzieher aus den Kindergärten. „Überall, wo wir es mit Schutzbefohlenen zu tun haben, müssen wir sensibilisieren“, begründet die Präventionsfachkraft. Doch nicht nur die älteren und jüngeren Menschen gelte es zu schützen, sondern auch die Gemeinden des Pastoralverbundes. Dr. Gabriele Staufenbiel-Zervoulakos erklärt: „Unser Konzept macht es auch für potenzielle Täter schwer, wenn sie sehen, wie stark wir auf gewisse Dinge achten.“ Damit diese gar nicht erst in die eigenen Reihen gelangen, werden erweiterte polizeiliche Führungszeugnisse aller haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter angefordert, die durch ihre Arbeit mit Kindern in Kontakt kommen – das gehört seit vielen Jahren zum Standard. Niemeier: „Für Leute mit gewissen Absichten oder Neigungen, die sich bei uns einschleichen wollen, wird dadurch eine Sperre aufgebaut. Ohne diese Strukturen hätten sie leichtes Spiel.“ 

Das Schutzkonzept ist in Letmathe entwickelt worden, die Anordnung dazu kam vom Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker. Niemeier: „Alle Pastoralverbunde müssen ein Schutzkonzept erstellen und eine Präventionsfachkraft benennen.“ Ihm zufolge sei der Pastoralverbund einer der ersten gewesen, die ein fertiges Konzept in Paderborn vorlegen konnten. „Es ist wichtig, dass die Diözese reagiert und dass sich etwas tut“, ergänzt Niemeier. Er sieht in der Prävention einen neuen Aufgabenbereich der Kirche und erhält die volle Zustimmung der Präventionsbeauftragten. „Die Kinder sollen einen sicheren Lebens-, Freizeit- und Spielraum in der Kirche haben. Deswegen ist es wichtig, dass wir unsere Handlung regelmäßig reflektieren.“ Doch damit nicht genug: „Wir werden uns das Schutzkonzept regelmäßig vornehmen, es überprüfen und gegebenenfalls anpassen. Und alle fünf Jahre werden die Schulungen wiederholt.“ Den Kindern und Jugendlichen sollen Teilnahmen an Selbstverteidigungs- und Selbstbehauptungskursen angeboten werden. 

Schutzkonzept für Letmathe aus reiner Vorsorge 

Die Hoffnung ist groß und berechtigt, dass der Pastoralverbund auch in Zukunft nicht direkt mit einem Missbrauchsskandal in Berührung kommt. Das Vertrauen der Bürger in die vor Ort tätigen Personen hat trotz der Enthüllungen nicht gelitten. Zu den „Ferienspielen am Dom“ gehen jährlich mehr Anmeldungen ein als Plätze zur Verfügung stehen und Niemeier registrierte auch keine Kirchenaustritte in Zusammenhang mit dem Skandal. „Ich habe auch keine Anfeindungen in irgendeiner Form erlebt“, schildert der Pastor.

(IKZ 17.10.2018 O. Bergmann)