Aktuelles im Dekanat

Einladung des Erzbischofs der Erzdiözese Lemberg (Ukraine)

 

 

1. Die Letmather Reisegruppe mit Erzbischof Mieczyslaw Mokrzynski von Lemberg (links) und Bischof Piotr Libera von Plock (rechts)Ukraine, Galizien, Lemberg? Für die meisten Deutschen fremde Länder, fremde Namen aus dem fernen Osten Europas. Anlass genug für eine fast 20köpfige Gruppe aus dem Pastoralverbund Letmathe, geleitet von Pfarrer Frank D. Niemeier und Stefan Fiolka, eine Einladung des römisch-katholischen Erzbischofs von Lemberg, Mieczyslaw Mokrzycki, anzunehmen und eine Woche lang die Hauptstadt des „Oblast Lemberg (ukrainisch Lwiw)“ kennenzulernen.

 

Erzbischof Mokrzycki begrüßte die Letmather als alte Bekannte. Noch im letzten Jahr hatte er an den 100 Jahr Feiern des Kiliansdomes teilgenommen. Vor einer Priesterkonferenz fand er gemeinsam mit dem polnischen Bischof von Plock, Piotr Libera, Zeit für einen kurzen Gedankenaustausch. Im Park des Pilgerhauses, in dem die Reisegruppe wohnte, feierte der Erzbischof anschließend eine heilige Messe mit 150 Priestern und vielen Kindern, die dort ihren Messdienertag begingen, und hieß die Letmather Gäste auf Deutsch willkommen.

 

Unter kundiger Führung von Mitarbeitern der bischöflichen Kurie durchstreiften die Besucher dann Lemberg mit seinen römisch-katholischen, griechisch-katholischen, armenischen und orthodoxen Kirchen. Die Pracht der Gotteshäuser konnte allerdings die untergründigen  Konflikte zwischen den Konfessionen und Nationalitäten nicht gänzlich verbergen.

 

Einen morbiden Charme verbreitet der riesige Lytschakiwskyi-Friedhof, der wegen seiner sehr individuellen Grabmäler eine Art Freilichtmuseum ist. Nach einer zweistündigen Wanderung zwischen ukrainischen, polnischen, russischen und deutschen Grabsteinen erlebte die Gruppe im „Kaiserwald“ noch ein echtes Freilichtmuseum für ukrainische Volkskultur.

 

Der Besuch einer riesigen orthodoxen Klosteranlage 100 km östlich von Lemberg war ein weiterer Höhepunkt. Der dortigen Tradition folgend mussten die Letmather Damen Kopftuch und einen schwarzen Wickelrock tragen, für einige durchaus gewöhnungsbedürftig.

 

Ein besonderes Anliegen von Pfarrer Niemeier war es, in Kontakt mit einer katholischen Pfarrgemeinde zu kommen und damit einen freundschaftlichen Kontakt zwischen deutschen und ukrainischen Katholiken auf den Weg zu bringen. So fuhren die Letmather in die Gemeinde St. Laurentius in Schowkwa (polnisch Zolkiew) nördlich von Lemberg. 2. Mit Pfarrer Jozef Legowicz (neben dem Letmather Pfarrer Frank D. Niemeier) vor der Filialkirche St. Ludwig bei Schowkwa In der Filialgemeinde St. Ludwig im Nachbardorf empfing sie eine Gruppe von Kindern und deren Mütter (die Väter arbeiten vielfach im Ausland). Gemeinsam mit ihrem Pfarrer Jozef Legowicz wurde im Wechsel ukrainisch und deutsch gebetet und gesungen. Das Treffen war von großer Herzlichkeit getragen, aus der eine dauerhafte Beziehung erwachsen soll.

 

Der Reisegruppe wurde schließlich die Ehre zuteil, am Hauptaltar der bischöflichen Kathedrale Mariae Himmelfahrt die heilige Messe feiern zu dürfen, für alle sicherlich eine sehr berührende Erfahrung.

 

Natürlich wurde auch den sonstigen  touristischen und kulinarischen Angeboten Lembergs gern zugesprochen. Am letzten Abend genossen die Letmather im Lemberger Opernhaus, einem grandiosen Bau aus der k.u.k. Zeit, der Platz für 1100 Besucher hat, eine prachtvolle Aufführung von Verdis „Troubadour“.

 

Faszinierende Kirchen, herrschaftliche Wohnhäuser, zum Teil schön restauriert, eine Stadt voller junger Leute, strahlender Sonnenschein – die Letmather waren begeistert. Dennoch nahmen sie auch wahr, dass die Ukraine immer noch ein Land im Krieg ist, dass die sozialen Ungleichheiten, die religiösen und ethnischen Spannungen in dieser so europäisch und westlich wirkenden Stadt vielfach sichtbar sind. Die Bildtafeln von gefallenen Soldaten vor dem Rathaus und in der Peter-und-Paul Kirche im Zentrum sprechen eine sehr deutliche Sprache.

 

So ist die Reisegruppe aus dem ehemals österreichischen, dann polnischen und sowjetischen, jetzt ukrainischen Lemberg mit ganz unterschiedlichen Eindrücken heimgekehrt. Eine weitere Pflege der nun hergestellten Kontakte zu den Menschen dort ist aber allen ein Herzensanliegen.